
Über acht Monate hinweg wurde mit großer Sorgfalt, Geduld und viel handwerklichem Können daran gearbeitet, das historische Kreuz mit seinen Leidenswerkzeugen wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Das „Arma Christi Kreuz“, das seit Jahrhunderten die Stirnseite der Kapelle prägt und auf eine lange religiöse Tradition verweist, gehört zu den besonderen Kleinoden der Kapelle „Maria Hilf“ in Unterwestegg. Die Kapelle selbst wurde bereits im Jahr 1796 errichtet und ist bis heute ein bedeutender Ort des Glaubens und der Begegnung.
Ein Arma-Christi-Kreuz – auch Passions- oder Waffen-Christi-Kreuz genannt – ist eine besondere Form des christlichen Kreuzes. Der lateinische Begriff „Arma Christi“ bedeutet übersetzt „Werkzeuge Christi“ und verweist auf die Leidenswerkzeuge der Passion Jesu, wie Hammer, Nägel, Leiter, Lanze oder Dornenkrone, die am Kreuz dargestellt werden. Diese kunstvollen Kreuze entstanden vor allem im süddeutschen und österreichischen Raum und sind heute nur noch selten erhalten. Auch in Vorarlberg gibt es nur noch wenige bekannte Arma-Christi-Kreuze, weshalb das Kreuz der Kapelle Maria Hilf als besonderes religiöses und kulturelles Zeugnis von großem Wert angesehen werden kann.
Mit viel Feingefühl und Liebe zum Detail übernahmen die Künstlerin Bianca Schneider und Holzschnitzer Reinhold Kohl sowie weitere engagierte Helferinnen und Helfer die Hauptinitiative für dieses besondere Projekt. Schritt für Schritt wurde das Kreuz gereinigt, ausgebessert, restauriert und behutsam erneuert – stets mit dem Ziel, den ursprünglichen Charakter zu bewahren und gleichzeitig die Schönheit des Werkes wieder sichtbar zu machen.
Erich Pühringer führte mit großer Präzision und handwerklichem Können die umfangreichen Malerarbeiten in und um die Kapelle aus. Durch sein Engagement erhielt die Kapelle wieder jene harmonische Ausstrahlung zurück, die Besucherinnen und Besucher heute bewundern können.
Besonders beeindruckend an dieser Restaurierung ist jedoch nicht nur das Ergebnis selbst, sondern der gemeinschaftliche Geist, der das gesamte Projekt getragen hat. Viele Stunden freiwilliger Arbeit, gegenseitige Unterstützung und die tiefe Verbundenheit mit der Kapelle machten diese Restaurierung zu einem echten Herzensprojekt.
Heute präsentiert sich das Arma Christi Kreuz beinahe wie neu – und trägt doch weiterhin die Geschichte vergangener Generationen in sich. Es erinnert daran, wie wertvoll kulturelles und religiöses Erbe für eine Gemeinschaft ist und wie wichtig es bleibt, solche Zeichen der Heimat und des Glaubens zu bewahren.
Die Kapelle Maria Hilf und ihr restauriertes Kreuz laden nun wieder dazu ein, innezuhalten, zu staunen und einen Moment der Ruhe zu finden – als sichtbares Zeichen gelebter Tradition und engagierter Gemeinschaft. Jeden letzten Freitag im Monat findet hier eine Eucharistiefeier statt, zu der Jung und Alt herzlich eingeladen sind.
Tanja Jaritz