
Bruder Klaus ist ja eine Klasse für sich, so wie die Schweiz. Nikolaus ist ein kantiger Heiliger. Als Heiligenbildchen ist er geeignet, denn er wurde als Eremit und Einsiedler zum Friedensstifter. Als Familienvater erlebte er turbulente Zeiten (!), bis er seinen Weg fand und als Einsiedler und Ratgeber erfolgreich wirkte. Zudem will Bruder Klaus ganz „Eins mit Gott“ sein, ein „einig Wesen“.
Zeichenhaft lebte der streng fastende Bruder Klaus bedürfnislos in der wilden Schlucht der Ranft. Das war auch ein Zeichen gegen die damals vorherrschende Völlerei bei Äbten, Vögten und Fürstenhäusern. Die Bauernkriege von vor fünfhundert Jahren erzählen von Armut und Ausbeutung weiter Teile der Landbevölkerung damals. Wir Heutigen könnten von seiner Grundbotschaft lernen: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, nicht von Vielem, das doch nicht den Hunger der Seele nach Sinn und Tiefe nährt.
Bedeutsam ist die Kapelle im Wäldele als Ort einer Gemeinschaftsaktion von vielen Handwerkern, Gönnern und Stiftern. Diese Kapelle ist vom Volk gebaut und wird von Menschen aus dem Wäldele betreut, bewahrt und wertgeschätzt, Pfarrer Bachmann sei Dank.
In der Andacht gedachten wir an diesem Ort der Menschen, die schwere Schicksalsschläge erfahren mussten und unserer Verstorbenen. Wir erinnerten uns besonders an Elfriede „Friedl“ Krämer. Sie gehörte zur ersten Generation derer, die den Bau 1950 erlebte. Wie oft wurde an diesem Ort gebetet, gebittet und gedankt. Es folgten Unglücke im Tal, aber auch große Feste in und um den Bruder Klaus. So war es auch bei schönem Wetter im lieblichen Tal vom Wäldele: Gedenken, Beten und Danken für gelebte Gemeinschaft.
Ein herzliches Dankeschön an alle fürs Kommen, an Monika Rief aus dem Wäldele für ihr Mitgestalten mit Musik und dem Kapellenschmuck und an Lektorin Brigitte Felder. Ein schöner und zugleich denkwürdiger Tag.
Hans Suck